Samsung Electronics stattet seine gesamte Belegschaft in Südkorea und alle Mitarbeiter der globalen Device-eXperience-Sparte mit ChatGPT Enterprise und Codex aus. OpenAI bezeichnet den Vertrag als einen der größten Enterprise-Verträge in der Unternehmensgeschichte. Was dieser Rollout über den nächsten Schritt in der KI-Einführung zeigt und was andere Unternehmen konkret daraus mitnehmen können.
Was genau hat Samsung eingeführt und für wen?
Samsung Electronics rollt zwei KI-Plattformen von OpenAI aus: ChatGPT Enterprise, die für Unternehmen gehärtete und datenschutzkonforme Version des Chatbots, sowie Codex, ein KI-Assistenzsystem, das ursprünglich für Softwareentwickler konzipiert wurde. Der Rollout gilt für alle Mitarbeiter in Südkorea sowie für die gesamte Device-eXperience-Sparte (DX) weltweit, zu der unter anderem Smartphones, Haushaltsgeräte und PCs gehören.
Die vier geplanten Einsatzbereiche sind Forschung, Fertigung, Marketing und Verwaltung. Damit wird KI gezielt dorthin gebracht, wo die meiste wiederkehrende Wissensarbeit entsteht und nicht nur in die technische Entwicklungsabteilung.
Samsung ist damit nicht allein. Laut The Decoder (22. Juni 2026) nutzen auch LG Electronics, das Spieleunternehmen Krafton, der Finanzdienstleister Toss und die Seoul National University dieselben Tools bereits im laufenden Betrieb. Die Einführung bei Samsung ist kein Einzelfall, sondern Teil eines deutlichen Musters: Großunternehmen im asiatisch-pazifischen Raum behandeln KI nicht mehr als Experiment, sondern als Basisinfrastruktur für alle Mitarbeiter.
Warum nutzen jetzt auch Nicht-Techniker ein Programmierwerkzeug?
Codex war ursprünglich ein Werkzeug für Entwickler, die damit schneller Code schreiben. Seit Anfang 2026 hat sich das Nutzerbild grundlegend verändert. In Südkorea stieg die Zahl der aktiven Codex-Nutzer seit Februar um rund 800 Prozent (laut The Decoder, 22. Juni 2026). Weltweit nutzen mehr als fünf Millionen Menschen Codex wöchentlich, viele davon ohne Programmierhintergrund.
Der Grund dafür liegt in einem neueren Funktionsprinzip: dem Record-and-Replay-Muster. Eine Person zeigt dem System einmalig, wie eine Aufgabe abläuft, und das System wiederholt diesen Ablauf danach selbstständig. Damit wird aus einem Entwicklerwerkzeug ein Automatisierungssystem für jeden, der eine wiederkehrende Aufgabe hat, unabhängig von technischem Vorwissen. Mitarbeiter in Marketing, Verwaltung oder Logistik können damit interne Abläufe automatisieren, für die sie früher entweder jemanden aus der IT gebraucht hätten oder die einfach manuell erledigt wurden.
Das ist eine entscheidende Verschiebung. Bisher war KI-Automatisierung oft davon abhängig, dass jemand im Unternehmen programmieren kann. Wenn ein KI-Werkzeug durch Vorführung lernbar wird, fällt diese Einstiegshürde weg, und der potenzielle Nutzerkreis vergrößert sich auf die gesamte Belegschaft.
Was unterscheidet diesen Rollout von einem Pilotprojekt?
Viele Unternehmen beginnen mit KI als Pilotprojekt: Eine Abteilung testet ein Tool, sammelt Erfahrungen, und irgendwann wird entschieden, ob und wie es weitergehen soll. Samsung ist einen anderen Weg gegangen: direkter Rollout für alle, über mehrere Funktionsbereiche gleichzeitig.
OpenAIs Einschätzung, es handle sich um einen der größten Enterprise-Verträge in der Unternehmensgeschichte, deutet auf eine tiefe Integration hin, nicht auf ein weiteres Experiment. Das ist insofern relevant, als es zeigt, wo in der Adoptionskurve sich Großunternehmen gerade befinden. Wer KI jetzt noch als Versuch behandelt, verliert strukturell Zeit gegenüber Unternehmen, die bereits im Regelbetrieb sind.
Der entscheidende Unterschied zwischen Pilot und Rollout liegt nicht in der Technologie, sondern im Scope. Ein Pilot betrifft zehn Mitarbeiter in einer Abteilung und läuft auf Abruf. Ein Rollout betrifft alle und definiert dauerhaft, welche Aufgaben die KI regelmäßig übernimmt. Wer konkret weiß, dass Aufgaben A, B und C von einem KI-System erledigt werden, plant und budgetiert anders.
Was bedeutet das für Unternehmen, die noch am Anfang stehen?
Der Samsung-Rollout ist nicht direkt auf ein Unternehmen mit 20 oder 50 Mitarbeitern übertragbar. Aber das Grundprinzip schon: Wiederkehrende Arbeit identifizieren, KI-Werkzeuge dafür einrichten, den Betrieb strukturiert ausweiten. Der Unterschied ist lediglich der Maßstab.
Für kleinere Unternehmen reicht es, mit einem oder zwei konkreten Abläufen zu beginnen, zum Beispiel in der Kundenkommunikation, in der Angebotserstellung oder in der Nachbereitung von Terminen. Entscheidend ist nicht, mit wie vielen Tools man startet, sondern dass die KI einen definierten Teil der Arbeit dauerhaft und zuverlässig übernimmt, nicht nur gelegentlich.
Genau das ist das Grundprinzip eines KI-Mitarbeiters: kein Werkzeug, das man gelegentlich befragt, sondern ein System, das eine konkrete Aufgabe im laufenden Betrieb selbstständig erledigt. Was Samsung im großen Maßstab mit Tausenden von Mitarbeitern umsetzt, funktioniert strukturell genauso mit einem einzigen dedizierten KI-Mitarbeiter, der eine spezifische Aufgabe dauerhaft übernimmt.
Das AI Backbone System ist genau dafür gebaut: es definiert, welche Aufgaben an KI-Mitarbeiter übergehen, richtet diese Übergabe sauber ein und stellt sicher, dass der Betrieb zuverlässig läuft, ohne dass dafür interne IT-Expertise nötig ist.
